(Anti-)Klassismus und (Anti-)Kapitalismus

Ich hab heute festgestellt, dass 140 Zeichen auf Twitter nicht reichen um meine Gedanken zu Klassismus darzulegen. Das Wort ist mir schon öfter über den Weg gelaufen und neulich hab ich diesen Artikel gelesen. (Da wird auch gut erklärt, was Klassismus ausdrücken soll.)

Aus einem Tweet von mir entsponn sich dann ein Gespräch, dass ich wahrscheinlich nicht fähig war in 140 Zeichen über das Internet adequat zu führen. Deshalb werde ich meine Gedanken zu dem Thema in einem Blogpost zusammenfassen.

Das Persönliche (ist politisch)

Je nachdem in welche Relation es gestellt wird, bin ich reich oder arm. Meine Eltern haben ein Haus, ich muss mir keine/kaum Gedanken machen mein Studium nicht finanzieren zu können, aber natürlich schwimme ich nicht in Geld. Ich hab Freund*innen die finanziell schlechter dastehen und welche die besser dastehen.Mit den Leuten mit denen ich mein Leben zur Zeit verbringe, haben wir schon oft das kritisiert, was Klassismus wohl ist, jedoch haben wir es nie so genannt. Stundenlang haben wir gelästert über Plena in denen Bildungsmacker*innen sich unterschwellig messen, wer die meisten Bücher gelesen hat, die radikale Linke™ deren „Klassenkampf“ sich auf das zitieren von Marx beschränkt und die keinerlei Bezug zu denen haben über die sie da reden (wobei die meisten natürlich auch zum Proletariat gehören. Über Klassen siehe hier). Ein polemischen Text über unibasierte/akademische Politikvorstellungen gab´s dazu auch schon hier.
Auch in unserer Gruppe kommt immer wieder zur Sprache, dass wir unterschiedliche ökonomische Situationen haben. Z.b. das manche Leute BAföG kriegen, andere nicht oder weniger und wiederum andere arbeiten müssen etc. Dies haben wir immer für wichtig und notwendig erachtet, da wir es äußerst lächerlich finden, wenn bei dem ganzen Theoriekram (so wichtig er teilweise auch sein mag) nicht mitgedacht wird, dass manche Leute eben keine Zeit haben, sich so intensiv damit zu beschäftigen. Unter anderem hab ich die Marxismus 101-Serie begonnen um eben diesem Elitismus entgegenzuwirken. Im Gegensatz zu einem Soziologiestudenten wie mir haben andere eben nicht ewig Zeit sich mit Theorien zu beschäftige, wollen aber eventuell trotzdem in Diskursen partizipieren.
Das nur mal vorneweg. Das soll mich jetzt auch nicht in irgendein besseres Licht rücken oder sonst irgendwas, es soll nur der Transparenz dienen und klar machen, wer hier was schreibt

Der notwendige Zusammenhang zwischen Antikapitalismus und Antiklassismus

Mir ist es zuallererst Wurscht, wie diese oben angerissenen Unterdrückungsmechanismen genannt werden. Ob ich es jetzt Klassismus nenne, Elitegedünkel, Avantgardismus etc. Diese zu beleuchten ist wichtig und notwendig, ohne das ist Politik machen sehr schwer.

Wen es nun aber heißt:

Klassismus bezeichnet die strukturelle Benachteiligung von Menschen aus der sogenannten „Unterschicht“ bei Prozessen der Partizipation am kulturellen, sozialen und politischen Leben.“ (Quelle

Dann fällt mir auf: Dasselbe könnte ich jetzt natürlich auch über den Kapitalismus sagen. Dieser basiert auf der Ausbeutung und damit strukturellen Benachteiligung einer Klasse. Wer also eine klassenlose Gesellschaft anstrebt, arbeitet per se schon auf eine Gesellschaft hin, in der Klassismus nicht mehr möglich sein kann. Dies heißt nun natürlich nicht, dass „die Revolutionär*innen“ nicht auch klassistische Ausschlussmuster verinnerlicht haben, es heißt nur, dass es keinen ernsthaften Antiklassimus geben kann, wenn dabei der Kapitalismus nicht abgeschafft werden soll.

Die Krux ist allerdings, dass Klassimus vor allem die Diskriminierung durch die sog. Mittelschicht betrachtet. D.h. die einen Lohnabhängigen fühlen sich aufgrund von akademischen Graden/höherem Gehalt o.Ä. den anderen überlegen, obwohl sie ökonomisch gesehen auf der selben Seite stehen. Diese sogenannte Mittelschicht (oder gar Mittelklasse) allerdings dient nur dazu zu verschleiern, dass es im Endeffekt vor allem 2 Klassen sind die sich gegenüberstehen: Proletariat und Bourgeoise. Das Mittelschichtsdenken führt nur dazu, dass sich diese nicht mehr als Proletariat sehen. (Und bevor jetzt irgendwoher die Verschwörungskeule kommt: Das ist ein kapitalistischer Mechanismus und nicht das Werk der Bilderberger oder sonst irgendwem.) Und wie tante ösi schon so treffend bemerkt hat

“Armut verdankt sich nicht sog. Bildungsarmut, auch wenn Ideologen wie Paul Nolte anderes behaupten. Nein, ein Goethe-Gedicht kann man nicht fressen, und wenn Bill Gates Nachkommen dumm wie Stroh sind, ist das scheißegal.”

Wenn sich also ein Mensch der eigentlich zum Proletariat gehört über ebenselbiges erhöht, dann kann ich da nur drüber lachen. Das Lachen bleibt mir aber leider im Halse stecken, da dies leider eine Realität ist für Menschen, die tagtäglich von politischen Prozessen ausgeschlossen werden.

Aber: Das ganze kulturelle Kapital der Welt hilft dir nicht. Du musst deine Arbeitskraft genauso verkaufen, wie jede*r andere vom „Pöbel“ über den du dich gerade lustig gemacht hast. Natürlich gibt es einen Unterschied, ob ich jetzt Klos putzen muss, oder im Büro arbeite. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass ich eben meine Arbeitskraft verkaufen muss.

Ich fass das jetzt nochmal kurz und knackig zusammen:

Was ich will: Die Abschaffung des Kapitalismus, da er die Grundlage für fast alle Unterdrückungs- und Ausbeutungsmechanismen ist. Um das zu erreichen muss in der radikalen Linken™ auch größtmögliches Potential zur Partizipation bestehen. Das heißt notwendigerweise auch das Sichtbarmachen von Privilegien innerhalb des Proletariats.

Was ich nicht will: Eine Kritik die sich darauf beschränkt, dass Menschen nun nicht mehr als „Assi“ bezeichnet werden, oder die darauf abzielt, dass z.b. [hier bitte „Unterschichtsberuf“ X einfügen] endlich als respektabler Job angesehen wird, aber nichts an den ökonomischen Verhältnissen verändern will, die den Gegenstand der Kritik überhaupt ermöglichen.

Denn wer A sagt muss auch einen Kreis drumrum machen.

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24 Gedanken zu “(Anti-)Klassismus und (Anti-)Kapitalismus

  1. Pingback: Klassismus intersektional denken » takeover.beta

  2. Hallo Thewholebackery,

    ich denke, zum Verständnis von Karl Marx Klassentheorie sind verschiedene Dinge wichtig:

    Den Schriften vor 1848 zum Thema Klasse (zum Beispiel die Rede von der „Klasse für sich“ oder formal-ökonomische Ableitungen wie z.B. dass sie ökonomischen Verhältnisse die Arbeiter erschaffen haben) folgten nach der Niederlage der Revolution gründlichere Analysen. Diese basierten nicht mehr auf ökonomistischen Ableitungen, sondern er untersuchte die Klassenkämpfe in Frankreich, später kamen Analysen hinzu, wo er die politischen Maßnahmen zum Thema machte, mit denen aus Landarbeiter_innen und Vagabund_innen Fabrikarbeiter_innen gemacht wurden. Dies ist auch Bestandteil im Kapital. Aber das Kapital sollte nicht als Klassenanalyse gelesen werden. Es ist eine Analyse bzw. Kritik der politischen Ökonomie. Klassen sind hier eher als Platzhalter zu verstehen, als verschiedene Positionen, die im Kapitalismus eingenommen werden müssen, damit der Kapitalismus funktioniert. Wie es aber dazu kommt, dass diese Postionen eingenommen werden, also zur Fragen der Klassenreproduktion, schreibt Marx sehr wenig. Wenn er darauf eingeht, benutzt er häufiger den Begriff „race“, also z.B. „die race der Fabrikarbeiter“. Die mit der Landnahme des Kapitalismus einhergehende Zurichtung der Menschen zu willigen Fabrikarbeiter_innen kann als Klassismus bezeichnet werden. Die Arbeits- und Zuchthäuser waren institutionalisierter Klassismus. Und diese Zurichtung muss ständig wiederholt, aktualisiert werden: Doing Class. Kapitalismus basiert auf Klassismus, es ist nicht einfach eine ungerechte Erscheinungsform.

    Noch ein anderes Ding: Warum wird eigentlich mit der größten Selbstverständlichkeit Menschen, die Klassismus kritisieren – und zwar aus ihrer eigenen Lebenserfahrung heraus – unterstellt, sie würden den Kapitalismus befürworten? Das ist ähnlich absurd, als würde man Frauen, die sexistische Erfahrungen beschreiben, vorwerfen, sie würden das Patriarchat befürworten. Noch absurder wird es, wenn von Akademiker_innen(kinder) dieser Vorwurf kommt, das wäre dann nämlich so, als würden Frauen, die sexistische Erfahrungen benennen, von Männern vorgeworfen, sie würden das Patriarchat gutheißen.

    Zu erklären ist dieser Reflex eigentlich nur aus eine mehrere Jahrzehnte alte Verwaltung/ Interpretationsmacht des Marxismus durch Menschen mit einer klassenprivilegierten Herkunft, die sich einen bequemen Marxismus zurechtgedacht haben, indem sie Fragen der Klassenreproduktion systematisch abspalteten.

    Liebe Grüße
    Andreas Kemper

  3. ich kriege echt schon wieder einen kropf. andreas, ich verstehe einfach nicht, wie du dazu kommst, leuten, die die klassismuskritik kritisieren, irgendwelche privilegien zu unterstellen. das hat etwas verschwörungstheoretisches. es war bei bush mies, es ist auch hier mies: either you are with us or you are with the terrorists.

    so ist eine debatte unmöglich. und du tust das andauernd.

    wenn du über die zurichtung der landarbeiter redest, dann nimmst du eine verdoppelung vor: da ist zum einen die zurichtung, daneben aber noch was anderes: klassismus. die zurichtung ist aber nix anderes als die zurichtung. und da wurde auch nicht ausgewürfelt, wen man da zurichtet, sondern zugerichtet wurden alle menschen, die durch die ursprüngl. akkumulation der möglichkeit zur reproduktion beraubt wurden.

    • Hallo Tante Ösi,

      der Vergleich mit Bush ist mies. Ich baue hier keine Verschwörungstheorie auf, sondern behaupte zwei Dinge, über die wir uns gerne streiten können: Erstens, dass Menschen mit einer klassenprivilegierten Herkunft in den Auseinandersetzungen des Marxismus überrepräsentiert sind. Zweitens, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt und diese Überrepräsentation sich somit sehr wahrscheinlich auch in der Interpretation von Marx niederschlagen wird. Was soll daran „verschwörungstheoretisch“ sein?

      Zu Zurichtungen und Klassismus. Es handelt sich nicht um eine Verdopplung. Du schreibst es ja selber: „zugerichtet wurden alle menschen, die durch die ursprüngl. akkumulation der möglichkeit zur reproduktion beraubt wurden.“ Eben. Es wurde eine bestimmte soziale Gruppe von Menschen zugerichtet, andere nicht. Diese Ungleichbehandlung ist Klassismus. Die Zurichtung zur_m Fabrikarbeiter_in konnte nicht gleichverteilt über die gesamte Bevölkerung geschehen. Menschen aus den reichen und herrschenden Klassen, die sich der Muße hingaben und denen die protestantische Leistungsethik egal war, wurden nicht in Arbeitshäuser gesteckt. Das wäre nicht möglich gewesen aus machtpolitischen Gründen. Der Kapitalismus ist auf seine Profiteur_innen angewiesen und damit meine ich nicht nur hemdsärmelige Unternehmer_innen.

      • „Menschen aus den reichen und herrschenden Klassen, die sich der Muße hingaben und denen die protestantische Leistungsethik egal war, wurden nicht in Arbeitshäuser gesteckt.“

        sag bloß, dass die milliardäre der forbes-liste nicht in arge-umschulungen müssen!

        mehr vllt später.

  4. „Du schreibst es ja selber: “zugerichtet wurden alle menschen, die durch die ursprüngl. akkumulation der möglichkeit zur reproduktion beraubt wurden.”

    ja, damit hat sich’s aber auch schon. du verdoppelst das aber, wobei du nebenbei noch in einem astreinen zirkel landest. wer wurde zugerichtet? die klassistisch diskrimierten! woher kamen die klassistisch diskrimierten? von der zurichtung!

    zumal: woher soll den die klassismus-ideologie vor oder zur revozeit (bürgerl. revo) kommen, wenn – angeblich – das sein das bewusstsein bestimmt? da GAB es die heutigen KLASSEN ja noch gar nicht, die wurden da ja erst hervorgebracht!

    deine überlegungen speisen sich auf folgendem falschen gedanken: wenn die mehrheit ausgebeutet ist, also nicht vom system profitiert, dann würden sie doch nicht mitmachen! du kannst dir das mitmachen nicht erklären. weil du den menschen für eine konditionierte/-bare ratte – sein bestimmt das bewusstsein – hälst. und in der verlängerung des fehlers kommst dann auf die idee, dass es der mehrheit ja in wahrheit gut geht.

    • Vielleicht hilft ein Vergleich weiter: warum sollte man von Rassismus und Sklaverei sprechen. Es wäre doch eine Verdoppelung wenn man die Versklavung der Schwarzen als rassistisch bezeichnen würden. Versklavung reicht doch. Du kämst in einen astreinen Zirkel mit dieser Verdoppelung: wer wurde versklavt: die rassistisch Diskriminierten! Woher kommen die rassistisch Diskriminierten? Von der Sklaverei.

      Siehst du, was ich meine? Es ist sinnvoll, die Methode der Diskriminierung (Zurichtung / Sklaverei) von der Adressierungsform (Klassismus/ Rassismus) zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist wichtig. So kämpfte Abraham Lincoln nicht gegen Rassismus, er war kämpfte gegen Sklaverei.

      • danke, aber in die gefilde der analogien begebe ich mich nicht. zumal, spinnen wirs mal ganz kurz weiter: gibts klassismus ohne klapitalismus? weil so müsste das ja jetzt bei dir weiter gehen. man sieht schon: mit analogien lässt sich keine wissenschaft betreiben.

      • zudem war skalverei doch nicht einfach eine „diskriminierungsform“, sondern hatte nen handfesten zweck: abschöpfung von arbeit! der rassismus, welcher sich darauf bezieht, ist die rechtfertigung der brutalität, die bei der verwirklichung des zwecks nötig ist.

      • Es gab so etwas wie Klassismus auch schon vor dem Kapitalismus. Es gab ja auch Klassen schon vor dem Kapitalismus.

        Natürlich war Sklaverei mehr als eine Diskriminierungsmethode, Bei Sanktionenen gegenüber Arbeitslosen geht es ja auch nicht nur darum, Arbeitslose zu diskriminieren, es geht natürlich auch um den Profit.

        Aber Rassismus wie Klassismus ist nicht einfach nur eine Rechtfertigung für Ausbeutung. Es handelt sich zum einen um tief verankerte Einstellungen, dann um institutionalisierte Strukturen, um Manifestationen in der Sprache usw. Und diese Diskriminierungen/ Unterdrückungen dienen nicht nur direkt der Ausbeutung, sondern auch der politischen Aufrechterhaltung eines Systems, welches diese Ausbeutung erlaubt.

      • „Aber Rassismus wie Klassismus ist nicht einfach nur eine Rechtfertigung für Ausbeutung. “

        doch. einfaches beispiel: in einer gesellschaft, die nicht auf ausbeutung basiert, ist die sprache egal. die muss nämlich nur in einer rechtfertigungsideologie herhalten als pseudobegründung.

        und jetzt hab ich keinen bock mehr.

      • 1. Die Unterscheidung zwischen der Methode der Diskriminierung und der Adressierungsform ist wichtig. Sklaverei und Rassismus sind zu unterscheiden. Es ist deswegen zu unterscheiden, weil mit dem Ende der Sklaverei der Rassismus nicht vorbei ist. Genauso ist mit dem Ende der Einweisung in Arbeitshäuser der Klassismus nicht beendet.

        2. Es gab Klassen bevor sich der Kapitalismus entwickelte. Aber es gab keine Fabrikarbeiter_innen. Diese entstanden auch nicht automatisch dadurch, dass plötzlich ein ökonomisches System da war, welches Fabrikarbeiter_innen benötigte. Nicht die Ökonomie hat Fabrikarbeiter_innen geschaffen, sondern eine System der Macht, welches mit dem ökonomischen System kompatibel ist.

        3. Jede_r könnte sich problemlos reproduzieren, wenn es keine Machtpolitik gäbe. Man müsste nur in den Supermarkt gehen und die Sachen mitnehmen, die man braucht. Das geht jedoch faktisch nicht, weil es zum einen internalisiert ist, dass man für Sachen bezahlen muss und zweitens, dass mit Gewalt durchgesetzt wird, dass man Sachen bezahlt. Die eigene Reproduktion ist gekoppelt an eine Klassenreproduktion und diese wird durch Rassismus, Sexismus, Bodyismus und Klassismus gesteuert.

      • „Bei Sanktionenen gegenüber Arbeitslosen geht es ja auch nicht nur darum, Arbeitslose zu diskriminieren, es geht natürlich auch um den Profit.“

        Überleg doch mal kurz: Warum sollten sich Staaten die Mühe machen, einen riesigen Gängelungsapparat aufzustellen, für sehr viel Geld, wenn es ihnen nicht allein darum gehen würde, dass am Ende Profit dabei rausspringt.
        Du glaubst doch nicht wirklich, dass die Politik aus Gehässigkeit gegen Arbeitslose hetzt und diese Sanktioniert. Diese moralischen Überlegungen machst DU dir, die Politiker machen das nicht.

      • Der vorige Kommentar von mir ist in den falschen Thread gelangt.

        “’Aber Rassismus wie Klassismus ist nicht einfach nur eine Rechtfertigung für Ausbeutung.‘
        doch. einfaches beispiel: in einer gesellschaft, die nicht auf ausbeutung basiert, ist die sprache egal. die muss nämlich nur in einer rechtfertigungsideologie herhalten als pseudobegründung.“

        Was ist denn das für eine Logik? In einer Gesellschaft, die nicht auf Ausbeutung basiert, sind auch keine diskriminerenden Einstellungen mehr nötig. Es sind dort auch keine diskriminierenden Strukturen mehr nötig.

        In einer Gesellschaft, in der es Ausbeutung gibt, sind aber Rechtfertigungsideologien, diskriminierende Strukturen und entsprechende Einstellungen nötig, um die Ausbeutung aufrecht zu erhalten.

  5. noch was:

    „Menschen aus den reichen und herrschenden Klassen, die sich der Muße hingaben und denen die protestantische Leistungsethik egal war, wurden nicht in Arbeitshäuser gesteckt.“

    da setzt du im hauptsatz auch schon die klassen voraus, um dann so zu tun, als wäre ihre behandung als klassenangehörige das, was die klassen erst hervorbringt. das passt doch hinten und vorne nicht.

    ansonsten kann mir ja wohl nur sagen: echt jetzt? die herrschende klasse wird von der ausgebeuteten klasse nicht in arbeitshäuser und co gesteckt? wer hätte das gedacht!

    • fällt dir dazu nix anderes ein? ich buchstabiere hier deine theoretische verdoppelung – dass du das, was du erklären willst, voraussetzt – vor, und das ist die antwort?

      noch mal:

      „Menschen aus den reichen und herrschenden Klassen, die sich der Muße hingaben und denen die protestantische Leistungsethik egal war, wurden nicht in Arbeitshäuser gesteckt.“

      so kamen also – angeblich – die klassen in die welt: man hat nur angehörige der ausgebeuteten klasse in die arbeitshäuser geschickt. und wieso? klassismus! und nicht, weil es angehörige der ausgebeuteten klasse waren.

      • Fällt dir was auf?

        Auf die Frage, warum man die Angehörigen der ausgebeuteten Klasse in Arbeitshäuser gesteckt hat, antwortest du: „weil es angehörige der ausgebeuteten Klasse waren“.

        Warum hat man Schwarze versklavt? Weil es Schwarze waren. Mit Rassismus hat das nichts zu tun?

        Verstehst du? Man hätte auch die ganzen Adeligen, die nur von ihrem Großgrundbesitz gelebt haben, in die Arbeitshäuser stecken können. Das wäre doch in der Logik des Kapitalismus, der ohne Klassismus auskommt. Es hat aber auch machtpolitischen Gründen nicht funktioniert. Die Bourgeosie hätte vielleicht gerne den Adel in Zuchthäuser verfrachtet und den Großgrundbesitz komplett in Industrie-Kapital verwandelt. Dazu waren sie aber nicht in der Lage. Es geht hier um machtpolitische Fragen, um Fragen der Klassenzuordnung, um machtpolitische Fragen, wer zum Fabrikarbeiter, zur Fabrikarbeiterin wird. Diese Machtpolitik, das ist der Klassismus.

      • Fällt dir was auf?

        Auf die Frage, warum man die Angehörigen der ausgebeuteten Klasse in Arbeitshäuser gesteckt hat, antwortest du: “weil es angehörige der ausgebeuteten Klasse waren”.

        das war meine entgegnung auf deine behauptung, die klassen wären hervorgebracht (!) worden dadurch, dass man die herrschende (!) klasse nicht in die arbeitshäuser brachte. mittlerweile bist ja aber lustigerweise bei der differenzierung von „methode“ und „form“ gelandet, wo dann die diskriminierung zum selbstzweck wird.

        „Verstehst du? Man hätte auch die ganzen Adeligen, die nur von ihrem Großgrundbesitz gelebt haben, in die Arbeitshäuser stecken können. “

        nein, weil die im kapitalismus überhaupt kein problem sind! aber beschäftigungslose proletarierInnen, die herumvagabundiernde und die soziale frage aufmachen, sind ein problem!

        „Es geht hier um machtpolitische Fragen, um Fragen der Klassenzuordnung, um machtpolitische Fragen, wer zum Fabrikarbeiter, zur Fabrikarbeiterin wird. “

        nein, das ist einzig eine ökonomische frage: kannst dich ohne deine arbeitskraft verschachern zu müssen, reprodzieren oder nicht?

        übrigens waren an der revo gerade auch die ärmsten beteiligt.

      • 1. Die Unterscheidung zwischen der Methode der Diskriminierung und der Adressierungsform ist wichtig. Sklaverei und Rassismus sind zu unterscheiden. Es ist deswegen zu unterscheiden, weil mit dem Ende der Sklaverei der Rassismus nicht vorbei ist. Genauso ist mit dem Ende der Einweisung in Arbeitshäuser der Klassismus nicht beendet.
        2. Es gab Klassen bevor sich der Kapitalismus entwickelte. Aber es gab keine Fabrikarbeiter_innen. Diese entstanden auch nicht automatisch dadurch, dass plötzlich ein ökonomisches System da war, welches Fabrikarbeiter_innen benötigte. Nicht die Ökonomie hat Fabrikarbeiter_innen geschaffen, sondern eine System der Macht, welches mit dem ökonomischen System kompatibel ist.
        3. Jede_r könnte sich problemlos reproduzieren, wenn es keine Machtpolitik gäbe. Man müsste nur in den Supermarkt gehen und die Sachen mitnehmen, die man braucht. Das geht jedoch faktisch nicht, weil es zum einen internalisiert ist, dass man für Sachen bezahlen muss und zweitens, dass mit Gewalt durchgesetzt wird, dass man Sachen bezahlt. Die eigene Reproduktion ist gekoppelt an eine Klassenreproduktion und diese wird durch Rassismus, Sexismus, Bodyismus und Klassismus gesteuert.

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